Vera Lengsfeld: Biografie, DDR-Widerstand, Mauerfall und politische Karriere
Vera Lengsfeld gehört zu den bekannten Persönlichkeiten der deutschen DDR-Bürgerrechtsbewegung. Ihr Lebensweg führte sie von einer frühen Mitgliedschaft in der SED über die unabhängige Friedens- und Umweltbewegung bis in die erste frei gewählte Volkskammer der DDR und anschließend in den Deutschen Bundestag. Dabei erlebte sie politische Überwachung, Berufs- und Reiseverbote, eine Verhaftung und die Ausreise in den Westen. Besonders bemerkenswert ist, dass sie am 9. November 1989 nach Ost-Berlin zurückkehrte und am selben Tag den Fall der Berliner Mauer miterlebte. Später entwickelte sich ihre politische Laufbahn weiter und führte sie von Bündnis 90/Die Grünen zur CDU und schließlich zu einer Tätigkeit als Autorin und Publizistin.
| Merkmal | Information |
|---|---|
| Name | Vera Lengsfeld |
| Geburtsdatum | 4. Mai 1952 |
| Geburtsort | Sondershausen, DDR |
| Beruf | Bürgerrechtlerin, Politikerin, Autorin, Publizistin |
| Ausbildung | Geschichte und Philosophie; später Theologie |
| Politischer Hintergrund | SED, Bündnis 90/Die Grünen, CDU |
| DDR-Engagement | Friedens-, Umwelt- und Bürgerrechtsbewegung |
| Bekannte Organisation | Pankower Friedenskreis |
| SED-Ausschluss | 1983 |
| Verhaftung | 1988 |
| Ausreise | 1988 nach Großbritannien |
| Rückkehr in die DDR | 9. November 1989 |
| Politisches Amt | Mitglied der Volkskammer 1990 |
| Bundestagsmitglied | 1990–2005 |
| Politischer Wechsel | 1996 von Bündnis 90/Die Grünen zur CDU |
| Bekannt für | DDR-Widerstand, Bürgerrechtsbewegung und politische Publizistik |
| Auszeichnung | Aachener Friedenspreis, 1990 |
| Weitere Auszeichnung | Bundesverdienstkreuz, 2008 |
| Tätigkeit nach dem Bundestag | Autorin und Publizistin |
| Kategorie | Prominente / Biografien |
| Sprache | Deutsch |
Kindheit, Familie und Ausbildung
Vera Lengsfeld wurde am 4. Mai 1952 in Sondershausen geboren. Sie wuchs in der DDR auf und erlebte damit schon früh die politischen und gesellschaftlichen Strukturen des sozialistischen Staates. Ihre spätere Entwicklung zur Bürgerrechtlerin war nicht von Anfang an vorgezeichnet, denn zunächst bewegte sie sich innerhalb des politischen Systems der DDR. Sie studierte Geschichte und Philosophie und beschäftigte sich dabei mit gesellschaftlichen und politischen Fragen, die später für ihren Lebensweg eine große Bedeutung bekommen sollten.
Nach ihrem Studium arbeitete Vera Lengsfeld an der Akademie der Wissenschaften der DDR. In dieser Zeit war sie zunächst Mitglied der SED, der staatstragenden Partei der DDR. Ihr späterer Bruch mit der Partei und dem politischen System entwickelte sich schrittweise und wurde durch ihre zunehmende Beschäftigung mit Friedens-, Umwelt- und Menschenrechtsfragen geprägt. Gerade dieser Wandel macht ihre Biografie interessant, weil sie nicht von Beginn an eine bekannte Oppositionelle war, sondern sich erst im Laufe der Jahre zu einer entschiedenen Kritikerin der DDR entwickelte.
Vera Lengsfeld und ihre Mitgliedschaft in der SED
Vera Lengsfeld trat 1975 der SED bei. Zu dieser Zeit war eine Mitgliedschaft in der Partei für viele berufliche und gesellschaftliche Bereiche der DDR von Bedeutung. Ihre spätere Entwicklung zeigte jedoch, dass sie zunehmend mit politischen Entscheidungen und den Grenzen der Meinungsfreiheit im Staat unzufrieden wurde. Aus der anfänglichen Einbindung in das politische System entwickelte sich schließlich eine offene Auseinandersetzung mit der SED-Führung.
Während ihrer Tätigkeit an der Akademie der Wissenschaften geriet sie wegen ihrer politischen Haltung zunehmend unter Druck. Sie wurde mit parteiinternen Verfahren wegen abweichender Ansichten konfrontiert. Ihre Kritik bezog sich unter anderem auf die militärische Entwicklung und die Stationierung von Atomwaffen. Damit entfernte sie sich immer weiter von der offiziellen Linie der SED und begann, sich stärker in unabhängigen oppositionellen Kreisen zu engagieren.
Der Pankower Friedenskreis als Beginn ihrer Opposition
Ein wichtiger Abschnitt in der Biografie von Vera Lengsfeld begann Anfang der 1980er-Jahre. 1981 gehörte sie zu den Mitbegründern des Pankower Friedenskreises. In diesen unabhängigen Gruppen trafen sich Menschen, die sich mit Frieden, Abrüstung, Umweltfragen und gesellschaftlichen Veränderungen beschäftigten. Solche unabhängigen Initiativen standen in der DDR unter besonderer Beobachtung, weil sie außerhalb der staatlich kontrollierten Organisationen arbeiteten.
Der Pankower Friedenskreis wurde für Vera Lengsfeld zu einem wichtigen Bestandteil ihrer politischen Tätigkeit. Sie engagierte sich nicht nur gegen die zunehmende Militarisierung, sondern unterstützte auch andere Formen unabhängiger gesellschaftlicher Arbeit. Ihr Engagement verband Friedenspolitik mit Fragen nach Menschenrechten und persönlicher Freiheit. Dadurch wurde sie zunehmend zu einer bekannten Stimme der unabhängigen DDR-Opposition.
Protest gegen Atomwaffen und Ausschluss aus der SED
1983 erreichte der Konflikt zwischen Vera Lengsfeld und der SED einen entscheidenden Punkt. Sie protestierte gegen die Stationierung von Atomraketen und vertrat damit eine Position, die nicht mit der offiziellen Politik der DDR übereinstimmte. Die Konsequenzen waren erheblich, denn sie wurde aus der SED ausgeschlossen. Gleichzeitig verlor sie ihre beruflichen Möglichkeiten und erhielt Einschränkungen bei ihren Reisemöglichkeiten.
Der Ausschluss bedeutete für Vera Lengsfeld nicht das Ende ihres politischen Engagements. Im Gegenteil, die staatlichen Maßnahmen verstärkten ihre Verbindung zu unabhängigen Oppositionsgruppen. Nach dem Berufsverbot musste sie neue berufliche Wege finden und arbeitete unter anderem als Imkerin und Übersetzerin. Zusätzlich begann sie ein Studium der Theologie am Sprachenkonvikt in Berlin.
Engagement in der unabhängigen DDR-Opposition
In den folgenden Jahren beteiligte sich Vera Lengsfeld an mehreren unabhängigen Gruppen und Veranstaltungen. Dazu gehörten neben dem Pankower Friedenskreis auch Initiativen aus der Friedens-, Umwelt- und kirchlichen Opposition. Die Kirche bot in der DDR Räume, in denen sich Menschen treffen und über gesellschaftliche Probleme diskutieren konnten, die außerhalb dieser Räume nur eingeschränkt öffentlich angesprochen werden durften. Für Vera Lengsfeld wurde dieses Umfeld zu einem wichtigen Teil ihrer oppositionellen Arbeit.
Ihre Aktivitäten lassen sich unter mehreren Themen zusammenfassen:
- Friedenspolitik und Abrüstung
- Kritik an der SED-Herrschaft
- Umweltfragen
- Menschenrechte und Bürgerrechte
- unabhängige politische Diskussionen
- kirchliche Oppositionsarbeit
- Zusammenarbeit mit anderen DDR-Bürgerrechtlern
Die Arbeit dieser Gruppen war mit persönlichen Risiken verbunden. Staatliche Stellen beobachteten oppositionelle Aktivitäten und versuchten, deren Einfluss einzuschränken. Vera Lengsfeld blieb dennoch aktiv und wurde dadurch zu einer wichtigen Vertreterin der unabhängigen DDR-Opposition.
Die Verhaftung von Vera Lengsfeld im Jahr 1988
Ein besonders einschneidendes Ereignis war die Verhaftung von Vera Lengsfeld im Januar 1988. Sie wollte an der offiziellen Liebknecht-Luxemburg-Demonstration in Ost-Berlin teilnehmen, allerdings mit einem eigenen politischen Protest. Die Aktion richtete sich gegen die Einschränkungen der Meinungsfreiheit und die politische Situation in der DDR. Sie wurde daraufhin festgenommen und wegen des Vorwurfs einer versuchten Zusammenrottung verurteilt.
Die Verhaftung zeigte deutlich, wie die DDR-Behörden mit unabhängigen politischen Aktivitäten umgingen. Für Lengsfeld bedeutete der Vorgang einen weiteren schweren Einschnitt in ihr Leben. Sie verbrachte zunächst Zeit in Haft und wurde anschließend aus der DDR in den Westen abgeschoben. Damit begann ein neuer Abschnitt ihrer Biografie, der sie zunächst nach England führte.
Vera Lengsfeld in England und ihre Zeit in Cambridge
Nach ihrer Ausreise aus der DDR lebte Vera Lengsfeld zunächst in England. Dort konnte sie sich unter anderen politischen Bedingungen bewegen und ihre akademischen Interessen weiterverfolgen. Sie studierte Philosophie der Religion am St John’s College in Cambridge. Die Zeit in England bedeutete für sie einen deutlichen Wechsel gegenüber ihrem bisherigen Leben unter den Einschränkungen der DDR.
Ihre Zeit im Westen dauerte jedoch nicht dauerhaft an. Die politische Entwicklung in der DDR veränderte sich 1989 innerhalb weniger Monate grundlegend. Während die oppositionelle Bewegung immer stärker wurde, entschied sich Vera Lengsfeld zur Rückkehr. Diese Entscheidung führte dazu, dass sie einen der wichtigsten Tage der deutschen Geschichte unmittelbar miterlebte.
Rückkehr in die DDR am Tag des Mauerfalls
Vera Lengsfeld kehrte am 9. November 1989 in die DDR zurück. Es war genau der Tag, an dem die Berliner Mauer geöffnet wurde. Am Abend befand sie sich in Berlin und erlebte die Ereignisse an der Bornholmer Straße. Für eine ehemalige politische Gefangene und Bürgerrechtlerin, die zuvor aus der DDR abgeschoben worden war, hatte dieser Moment eine besondere persönliche Bedeutung.
Der Mauerfall veränderte nicht nur Deutschland, sondern auch die politische Situation von Vera Lengsfeld. Die unabhängige Opposition erhielt plötzlich die Möglichkeit, sich offen politisch zu organisieren. Menschen, die jahrelang gegen die SED-Herrschaft protestiert hatten, konnten nun aktiv an der Gestaltung des politischen Wandels teilnehmen. Lengsfeld gehörte zu denjenigen, die diesen Übergang nicht nur beobachteten, sondern selbst politisch mitgestalteten.
Vera Lengsfeld am Runden Tisch
Nach dem Ende der SED-Herrschaft wurde Vera Lengsfeld in politische Prozesse eingebunden, die eine Neuordnung der DDR vorbereiteten. Sie war an der Arbeit des Zentralen Runden Tisches beteiligt und arbeitete unter anderem in der Verfassungskommission mit. Dort ging es um die Frage, wie ein neues politisches und rechtliches Fundament für die DDR aussehen könnte. Die Diskussionen fanden in einer Zeit statt, in der die Zukunft des Landes noch völlig offen war.
Die Arbeit am Runden Tisch zeigt, dass Vera Lengsfeld nicht nur als Demonstrantin oder Bürgerrechtlerin aktiv war. Sie beteiligte sich auch an institutionellen politischen Prozessen. Der Übergang von der oppositionellen Bewegung in parlamentarische und verfassungsrechtliche Arbeit war ein wichtiger Schritt ihrer politischen Laufbahn. Kurz darauf sollte sie selbst ein parlamentarisches Mandat übernehmen.
Die erste frei gewählte Volkskammer
Bei der ersten freien Volkskammerwahl der DDR im März 1990 wurde Vera Lengsfeld in das Parlament gewählt. Damit wechselte sie von der unabhängigen Opposition in eine offiziell demokratisch gewählte politische Institution. Ihre Tätigkeit in der Volkskammer fiel in eine außergewöhnliche historische Phase, denn die DDR befand sich auf dem Weg zur deutschen Einheit.
Sie arbeitete unter anderem im Bereich Abrüstung und Verteidigung. Ihre Erfahrungen aus der Friedensbewegung und ihre frühere Auseinandersetzung mit militärischen Fragen waren dabei von Bedeutung. Die Volkskammer bestand nur wenige Monate, bevor die deutsche Einheit am 3. Oktober 1990 vollzogen wurde. Lengsfeld setzte ihre politische Arbeit anschließend im gesamtdeutschen Bundestag fort.
Vera Lengsfeld im Deutschen Bundestag
Von 1990 bis 2005 war Vera Lengsfeld Mitglied des Deutschen Bundestages. Damit gehörte sie über 15 Jahre zur Bundespolitik. In dieser Zeit beschäftigte sie sich mit unterschiedlichen politischen Themen und arbeitete in mehreren parlamentarischen Ausschüssen. Zu ihren Arbeitsbereichen gehörten unter anderem Verteidigung, Umwelt, Wirtschaft und Kultur.
Ihre parlamentarische Laufbahn war auch deshalb bemerkenswert, weil sie mehrere politische Veränderungen selbst durchlief. Sie kam zunächst aus dem Umfeld von Bündnis 90 beziehungsweise der Grünen und entwickelte später eine deutlich andere politische Position. Der Wechsel von der DDR-Opposition zur Bundespolitik brachte für sie neue politische Konflikte und Entscheidungen mit sich.
Der Wechsel von den Grünen zur CDU
Ein entscheidender Schritt erfolgte 1996. Vera Lengsfeld verließ die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen und wechselte anschließend zur CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Dieser Wechsel spiegelte eine deutliche Veränderung ihrer politischen Orientierung wider. Während sie zunächst eng mit der Bürgerrechts- und Umweltbewegung verbunden gewesen war, fand sie sich später stärker im konservativen politischen Spektrum wieder.
Der Wechsel machte Vera Lengsfeld auch innerhalb der deutschen Politik zu einer kontrovers diskutierten Persönlichkeit. Sie blieb bis 2005 Mitglied des Bundestages. Ihre politische Entwicklung zeigt, dass ihre Biografie nicht auf ihre Rolle als DDR-Bürgerrechtlerin reduziert werden kann. Sie entwickelte ihre politischen Vorstellungen nach der Wiedervereinigung weiter und nahm dabei Positionen ein, die sich teilweise deutlich von ihrer früheren politischen Umgebung unterschieden.
Vera Lengsfeld und Knud Wollenberger
Ein besonders prägender Abschnitt ihres Privatlebens steht mit ihrem damaligen Ehemann Knud Wollenberger in Verbindung. Wollenberger war ebenfalls Teil des DDR-Oppositionsumfelds. Anfang der 1990er-Jahre erfuhr Vera Lengsfeld, dass er unter dem Decknamen „IM Donald“ für das Ministerium für Staatssicherheit tätig gewesen war.
Die Entdeckung war für sie besonders schwerwiegend, weil sich seine Tätigkeit auch auf ihr eigenes Umfeld bezogen hatte. Vera Lengsfeld trennte sich daraufhin von ihrem Ehemann. Später verwendete sie wieder ihren Geburtsnamen Lengsfeld. Die Geschichte zeigt, wie kompliziert die Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit für ehemalige Oppositionelle nach der Wiedervereinigung war.
Die Rolle der Stasi in ihrer Biografie
Das Thema Stasi begleitet die Biografie von Vera Lengsfeld auf mehreren Ebenen. Als Oppositionelle wurde sie selbst von den DDR-Sicherheitsbehörden überwacht und war staatlichen Repressionen ausgesetzt. Gleichzeitig musste sie nach 1990 feststellen, dass Menschen aus ihrem persönlichen und politischen Umfeld mit dem Ministerium für Staatssicherheit zusammengearbeitet hatten. Dadurch wurde die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit für sie zu einem persönlichen und politischen Thema.
Ihre Erfahrungen mit der DDR-Diktatur beeinflussten auch ihre spätere Arbeit. Sie setzte sich für die Aufarbeitung des SED-Systems und für Menschen ein, die unter der DDR-Diktatur verfolgt worden waren. Dadurch blieb die Geschichte der DDR auch nach ihrem Ausscheiden aus dem Bundestag ein wichtiger Bestandteil ihrer öffentlichen Tätigkeit.
Engagement für die Aufarbeitung der DDR-Diktatur
Nach ihrer parlamentarischen Laufbahn engagierte sich Vera Lengsfeld weiterhin mit der Geschichte der DDR. Sie war an der Gründung des Bürgerbüros für die Verfolgten der DDR-Diktatur beteiligt. Dabei ging es um die Unterstützung und Interessenvertretung von Menschen, die durch das SED-System verfolgt oder benachteiligt worden waren.
Auch die Erinnerung an die politischen Gefangenen der DDR spielte in ihrem späteren Engagement eine Rolle. Sie gehörte zu den Personen, die sich mit der Aufarbeitung der Staatssicherheit und der Geschichte des ehemaligen Stasi-Gefängnisses Berlin-Hohenschönhausen beschäftigten. Damit setzte sie einen Teil ihrer früheren Bürgerrechtsarbeit unter den Bedingungen des wiedervereinigten Deutschlands fort.
Vera Lengsfeld als Autorin und Publizistin
Nach ihrer Zeit im Bundestag arbeitete Vera Lengsfeld verstärkt als Autorin und Publizistin. In ihren Veröffentlichungen beschäftigte sie sich mit der DDR-Vergangenheit, politischen Entwicklungen und gesellschaftlichen Fragen. Zu ihren bekannten Veröffentlichungen gehören unter anderem „Virus der Heuchler. Innenansicht aus Stasi-Akten“ und „Mein Weg zur Freiheit“.
Ihre Bücher und publizistischen Beiträge greifen häufig Erfahrungen aus ihrer eigenen politischen Biografie auf. Dadurch verbindet sich persönliche Erinnerung mit politischer Analyse. Für die Betrachtung ihrer späteren Jahre ist deshalb nicht nur ihre frühere Tätigkeit als Abgeordnete relevant, sondern auch ihre Arbeit als öffentliche Kommentatorin und Autorin.
Auszeichnungen für Vera Lengsfeld
Vera Lengsfeld erhielt im Laufe ihres Lebens mehrere Auszeichnungen. Dazu gehört der Aachener Friedenspreis, den sie 1990 erhielt. Die Auszeichnung stand im Zusammenhang mit ihrem Engagement für Frieden und politische Freiheit während der DDR-Zeit.
2008 wurde sie außerdem mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Solche Ehrungen spiegeln insbesondere ihre Rolle innerhalb der DDR-Bürgerrechtsbewegung und ihr späteres gesellschaftliches Engagement wider. Ihre Auszeichnungen gehören daher zu den wichtigen Bestandteilen einer vollständigen Vera-Lengsfeld-Biografie.
Die wichtigsten Stationen ihres Lebens
Die Entwicklung von Vera Lengsfeld lässt sich anhand mehrerer entscheidender Stationen nachvollziehen:
- 1952 Geburt in Sondershausen
- 1975 Eintritt in die SED
- Tätigkeit an der Akademie der Wissenschaften der DDR
- 1981 Mitgründung des Pankower Friedenskreises
- 1983 Ausschluss aus der SED
- Berufs- und Reisebeschränkungen
- Tätigkeit als Imkerin und Übersetzerin
- Studium der Theologie in Berlin
- 1988 Verhaftung nach einem Protest in Ost-Berlin
- Abschiebung in den Westen
- Studium in Cambridge
- Rückkehr in die DDR am 9. November 1989
- politische Arbeit am Runden Tisch
- Wahl in die erste frei gewählte Volkskammer
- Mitglied des Deutschen Bundestages von 1990 bis 2005
- Wechsel von Bündnis 90/Die Grünen zur CDU
- Auseinandersetzung mit der Stasi-Vergangenheit ihres früheren Ehemanns
- Tätigkeit als Autorin und Publizistin
Diese Stationen zeigen, wie stark sich ihr Leben innerhalb weniger Jahrzehnte verändert hat. Von einer jungen Frau innerhalb des DDR-Systems entwickelte sie sich zu einer Oppositionellen, später zu einer Parlamentarierin und schließlich zu einer politischen Publizistin. Ihre Biografie ist deshalb eng mit den politischen Umbrüchen Deutschlands in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verbunden.
Politische Entwicklung nach 2005
Nach ihrem Ausscheiden aus dem Bundestag konzentrierte sich Vera Lengsfeld stärker auf publizistische und gesellschaftspolitische Aktivitäten. Ihre späteren politischen Positionen unterschieden sich teilweise deutlich von denen, die sie während ihrer Zeit in der Bürgerrechts- und Umweltbewegung vertreten hatte. Dadurch wurde sie auch nach ihrer parlamentarischen Karriere weiterhin öffentlich wahrgenommen und diskutiert.
Ihre politische Entwicklung ist ein wichtiger Bestandteil ihrer Gesamtbiografie. Sie lässt sich nicht allein anhand ihrer Zeit als DDR-Bürgerrechtlerin erklären. Vielmehr zeigt ihr Lebensweg, wie sich politische Überzeugungen unter veränderten historischen Bedingungen entwickeln können. Gerade der Wechsel von der SED über die Bürgerrechtsbewegung und Bündnis 90/Die Grünen bis zur CDU macht Vera Lengsfeld zu einer ungewöhnlichen Figur der deutschen Nachkriegsgeschichte.
Vera Lengsfeld und die deutsche Wiedervereinigung
Die deutsche Wiedervereinigung nimmt in ihrer Biografie eine besondere Stellung ein. Vera Lengsfeld gehörte zu den Oppositionellen, die den Zusammenbruch der SED-Herrschaft nicht nur von außen beobachteten. Sie war unmittelbar an den politischen Veränderungen von 1989 und 1990 beteiligt und wurde anschließend selbst Teil der demokratisch gewählten politischen Institutionen.
Ihr persönlicher Weg verdeutlicht zugleich, wie schnell sich die politischen Bedingungen veränderten. Noch 1988 war sie in der DDR inhaftiert und anschließend abgeschoben worden. Nur ein Jahr später kehrte sie zurück und erlebte den Fall der Berliner Mauer. Wenige Monate später saß sie als frei gewählte Abgeordnete in der Volkskammer.
Warum die Biografie von Vera Lengsfeld interessant bleibt
Die Geschichte von Vera Lengsfeld ist mehr als eine klassische politische Lebensbeschreibung. Sie verbindet die Geschichte der DDR-Opposition mit der Friedensbewegung, der friedlichen Revolution von 1989 und der deutschen Wiedervereinigung. Hinzu kommen ihre parlamentarische Karriere, der politische Wechsel zur CDU und ihre spätere Tätigkeit als Publizistin.
Besonders interessant ist dabei die Entwicklung ihrer politischen Identität. Sie war zunächst SED-Mitglied, wurde zu einer entschiedenen Gegnerin des SED-Systems und engagierte sich anschließend in unterschiedlichen politischen Lagern. Gleichzeitig blieb die Aufarbeitung der DDR-Diktatur ein wichtiger Bestandteil ihres öffentlichen Wirkens. Dadurch lässt sich an ihrer Biografie auch nachvollziehen, wie unterschiedlich die politischen Wege ehemaliger DDR-Bürgerrechtler nach 1989 verlaufen sind.
Häufig gestellte Fragen zu Vera Lengsfeld
Wer ist Vera Lengsfeld?
Vera Lengsfeld ist eine deutsche Bürgerrechtlerin, ehemalige Bundestagsabgeordnete und Publizistin. Bekannt wurde sie vor allem durch ihr oppositionelles Engagement in der DDR. Nach der Wiedervereinigung war sie von 1990 bis 2005 Mitglied des Deutschen Bundestages.
Wann wurde Vera Lengsfeld geboren?
Vera Lengsfeld wurde am 4. Mai 1952 in Sondershausen geboren. Sie wuchs in der DDR auf und studierte Geschichte und Philosophie. Später wurde sie durch ihr Engagement in der DDR-Friedens- und Bürgerrechtsbewegung bekannt.
Warum wurde Vera Lengsfeld aus der SED ausgeschlossen?
Vera Lengsfeld wurde 1983 aus der SED ausgeschlossen. Hintergrund war unter anderem ihre offene Kritik an der Stationierung von Atomwaffen und ihr Engagement in der unabhängigen Friedensbewegung. Nach dem Ausschluss war sie außerdem von beruflichen und persönlichen Einschränkungen betroffen.
Was machte Vera Lengsfeld am 9. November 1989?
Vera Lengsfeld kehrte am 9. November 1989 aus dem Westen in die DDR zurück. Noch am selben Tag erlebte sie in Berlin den Fall der Berliner Mauer. Dieser Tag wurde zu einem der entscheidenden Wendepunkte ihres persönlichen und politischen Lebens.
Wie lange war Vera Lengsfeld im Bundestag?
Vera Lengsfeld war von 1990 bis 2005 Mitglied des Deutschen Bundestages. Während dieser Zeit arbeitete sie in unterschiedlichen politischen Bereichen und wechselte 1996 von der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen zur CDU/CSU-Fraktion.
Fazit
Die Biografie von Vera Lengsfeld zeigt einen ungewöhnlichen politischen Lebensweg, der eng mit den großen Veränderungen der deutschen Geschichte verbunden ist. Ihre Entwicklung von der SED-Mitgliedschaft über die DDR-Opposition und die Bürgerrechtsbewegung bis zur ersten frei gewählten Volkskammer macht sie zu einer wichtigen Zeitzeugin der politischen Wende. Die Verhaftung von 1988, ihre Ausreise nach England und ihre Rückkehr am Tag des Mauerfalls gehören zu den prägenden Stationen ihres Lebens. Später folgten 15 Jahre im Deutschen Bundestag, der Wechsel von den Grünen zur CDU und eine Tätigkeit als Autorin und Publizistin. Wer Vera Lengsfeld verstehen möchte, muss deshalb sowohl ihre Erfahrungen in der DDR als auch ihre politische Entwicklung nach der Wiedervereinigung betrachten.
Wer sich für weitere Lebensgeschichten bekannter Persönlichkeiten interessiert, findet in unserer Kategorie „Prominente“ weitere Biografien aus Politik, Geschichte, Unterhaltung und Gesellschaft. Dort werden die Lebenswege und Karrieren unterschiedlicher Persönlichkeiten näher vorgestellt.
